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Werbepause

 

ImageEigentlich hatte ich mich im letzten Jahr – wie so viele – mit einer Großpackung Klopapier in die Besenkammer zurückgezogen, um auf das Ende der Welt zu warten. Doch dann kam alles anders. Für endloses Lamentieren (mein Hobby) war keine Zeit, da ich einfach zu viel zu tun hatte. Wieso nicht ein Jahr durcharbeiten, wenn es draußen sowieso nichts anderes zu tun gibt? Seit dem Frühjahr kann man die ersten Früchte meiner Bemühungen sehen. Zum Beispiel die Illustrationen für Mike Brüggemeyers tolles Beatles-Buch »Schöner kann es gar nicht sein. The Beatles von 1957 bis 1970«, in die ich viel Mühe investiert hatte. Schön, wenn so etwas gewürdigt wird. Sogar Kabarettist und Autor Frank Goosens (»Liegen lernen«) fand sie »korke« erfuhr ich. Was will man mehr?
Das nächste Projekt ist grad ebenfalls in der Mache und erscheint vermutlich im Oktober, denn mein alter Kollege Herr Reichard und ich haben mal wieder etwas Neues ausbaldowert.
Neue Cartoons sieht man hingegen im August. Dann nämlich erscheint im Lappan Verlag der Superhelden-Sampler »Super Cartoons«, der von André Sedlaczek herausgegeben wird und auch ein duzend Cartoons aus meiner Feder enthalten wird. Im Mai kam bereits »Blöde Bilder – Dümmer-gehts-nicht-Cartoons«, das Buch zur CartoonAir am Meer in Prerow auf den Markt. Ebenfalls mit ein paar Bildchen aus eigener Herstellung.
Dazu habe ich ein paar weitere Projekte in der Schublade, die zwar fertig sind, doch wegen der Pandemie noch immer auf ihre Veröffentlichung warten. Mehr erfährt man noch in diesem Jahr an dieser Stelle. Das Leben scheint also weiterzugehen. Auch wenn dies mit Sicherheitsabstand geschieht. Und das Beste: Klopapier ist auch noch da.

Sex & Gewalt

 

ImageRobert E. Howard, der geistige Schöpfer des Barbaren »Conan« schilderte gern detailliert, wie Arme abgehackt, Körper durchbohrt und Schädeldecken zerquetscht werden – und ich spreche hier nur von seiner privaten Korrespondenz.

Offenbar hatte das pummelige Muttersöhnchen aus Cross Plains, Texas, nie viel Erfolg beim anderen Geschlecht, was zur Folge hatte, dass er in seinem Leben eine Menge kompensieren musste. Das äußerste seiner (Lust-)Gefühle waren »glühende Lenden«, die Männer in seinen Geschichten beim Anblick einer halbnackten Frau bekamen. Darauf beschränkte sich das Sexualleben seiner Figuren allerdings schon. Gewalt war offenbar mehr sein Ding. Als Muttern starb, schoss sich der dreißigjährige Vielschreiber folgerichtig eine Kugel in den Kopf.

Ganz anders Charles Bukowski. Wenn er eine nackte Frau beschrieb, hatte sie an exponierter Stelle garantiert Pickel, oder eine Warze, auf der sich einige Haare kräuseln. Die Bettlaken waren von diversen Flecken unbestimmter Herkunft übersät und beim Höhepunkt wurde auch mal gefurzt. Bukowskis Schilderungen von Sexualität waren fast so ernüchternd, wie die Realität selbst (wenn man ein gewisses Alter überschritten hatte).

Sex und Gewalt hat uns schon immer fasziniert. Wahrscheinlich, weil wir uns bereits als Neandertaler die Schädel einschlugen, um diese vermaledeite Fleischeslust zu befriedigen. Doch obwohl sich die Autoren bei der Schilderung von Brutalitäten jeglicher Art selbst übertreffen, scheint es mit der Sexualität weniger einfach zu sein.

Schnell wird klar, ob der Schreiber von der Materie nicht die geringste Ahnung hat, wie eben Robert E. Howard, oder es sich um einen ausgebufften Veteranen handelt, wie Bukowski, der im Liebesakt nichts anderes mehr sehen kann, als das Absondern verschiedenster Körperflüssigkeiten. Die Schilderung selbst ist in vielen Büchern von unfreiwilliger Komik, wie zum Beispiel bei Norman Mailer, der in seinem Buch »Frühe Nächte«, das im alten Ägypten spielt, den Helden seinen »Obelisken« auspacken lässt, während Gott Seth über ein Salatfeld masturbiert. Im alten Gallien wäre der Obelisk vielleicht ein Hinkelstein gewesen.

Sex verunsichert uns. Fast immer wechselt im Buch urplötzlich den Erzählstil, falls es »zur Sache« geht. Wie bei einem alten Hollywoodstreifen, wenn bei einer leidenschaftlichen Umarmung plötzlich aus dem Off ein Saxofon ertönt. Nie werden so oft Klischees bemüht, wie beim Sex. Regisseur Alfred Hitchcock ließ am Ende eines seiner Filme einen Zug in einen Tunnel fahren. Stolz erzählte er der Hauptdarstellerin vom Symbolcharakter dieser Szene. Darauf sie: »Oh, Du meinst sie ficken?« Er arbeitete nie wieder mit ihr.

Doch wie beschreibt man etwas, über das man nicht spricht? Will man originell sein, wird es rasch albern, bleibt man jedoch auf dem Boden der Tatsachen, wirkt das Ganze unter Umständen wie die Gebrauchsanweisung eines Toasters.

Manche Autorinnen schreiben beispielsweise von einer ominösen »Lustgrotte«, in der offenbar viel Verkehr herrscht. Was für die einen sexy klingt, ist für andere albern – und umgekehrt. Die meisten Autoren mogeln sich jedoch heraus. Sie hören beim leidenschaftlichen Kuss auf, um am »Morgen danach« anzuknüpfen. So ist man garantiert auf der sicheren Seite. Und außerdem: Was sollen die Nachbarn denken?

Die beste Fusionierung von Sex und Gewalt lieferte wohl J. G. Ballard mit seinem Roman »Crash«. Hier führen Menschen für den ultimativen sexuellen Kick absichtlich Unfälle herbei. Traum der Hauptfigur ist ein Frontalunfall mit Elizabeth Taylor. Am Ende stirbt er bei einer Kollision mit einem Touristenbus. Dann schon lieber die haarigen Warzen von Charles Bukowski. Mir persönlich gefällt folgende hocherotische Schilderung von Kurt Vonnegut am Besten: »Er steckte ihr seine Zunge in den Hals und ejakulierte in ihren Geburtskanal.« So kann’s kommen.

Wortmax goes print

 

ImageFast immer, wenn man auf der Buchmesse Autoren trifft, ist von einem Projekt die Rede, »für das sich sowieso kein Verlag interessiert«. Im Grunde ist das ein trauriger Moment. Denn viele dieser Projekte klingen hochinteressant, nur werden sie mit großer Wahrscheinlichkeit nie umgesetzt. Durch stetig sinkende Verkaufszahlen verunsichert, setzen Verlage immer mehr auf Altbewährtes. Von der Experimentierfreude vergangener Jahrzehnte ist immer weniger zu spüren.

Dabei war es nie so einfach Bücher zu publizieren. Die nötige Software haben viele auf dem Rechner. Dazu gibt es unzählige Druckereien, die potentielle Autoren von Kleinstauflagen als Zielgruppe anvisieren. Die Hersteller von eBooks haben es sogar noch einfacher. Die sozialen Medien ersetzen dabei Vertreter und Presseabteilung. Das verlegerische Risiko liegt hier bei Null. Kein Wunder, dass »crossmediales Publizieren« in aller Munde ist.

Branchenkenner werden spätestens jetzt müde lächeln, denn erfahrene Schriftsteller scheuen dieses Risiko. Sie wissen, dass Herstellung, Werbung und Vertrieb eines Buches wesentlich einfacher ist, wenn man einen Verlag im Rücken hat, zumal wenn dieser mit gutem Ruf der Veröffentlichung ein Gütesiegel verleiht. Und doch gibt es Autoren, die diesen Schritt bereits gewagt haben; beispielsweise ihren Backkatalog im Selbstverlag herausbringen und auf ihrer Website bewerben. Schließlich ist jedes verlagsvergriffene Buch für den Schriftsteller totes Kapital.

Nach zwölf Jahren wortmax haben wir uns entschlossen selbst die Arena des crossmedialen Publizierens zu betreten. Viele in unserem Team haben auf dem Gebiet der Buchherstellung langjährige Erfahrung und bereits mehrere Bücher veröffentlicht. Warum nicht dieses Wissen nutzen, um eigene Lieblingsprojekte umzusetzen, dachten wir uns.

Das erste Buch der edition wortmax ist ab sofort erhältlich. Es trägt den schönen Titel »Ist Götterspeise Blasphemie?« und enthält Texte von Karsten Weyershausen. Einige dieser Texte wurden bereits auf unserer Website veröffentlicht. Für die Buchversion wurden sie allerdings überarbeitet und ergänzt.

Wir sind gespannt, wie dieser Versuchsballon angenommen wird. Wir möchten in unserer neuen edition wortmax Bücher herausbringen, die uns besonders am Herzen liegen und mit der Geschichte unseres Blogs verbunden sind. Schauen wir mal, wie sich das Ganze entwickelt.

Endstation Sofa

 

ImageDer erste Eindruck ist oft der entscheidende. Mein erster Eindruck von der Welt der Malerei war ein Alpenpanorama, das bei meinen Eltern über dem Sofa hing. Bei meinen Großeltern sah man ein ähnliches Bild, welches sogar einen röhrenden Hirsch bieten konnte. Meine andere Oma hatte dagegen Drucke von Margaret Keane im Flur hängen. Ich erinnere mich besonders an ein glubschäugiges Kind mit einer Blume in der Hand.

Etwas gehobener ging es beim Zahnarzt meiner Mutter zu, dessen Wartezimmer-Wände impressionistisch angehauchte Venedigimpressionen zierten. Der Clou war aber ein Ölgemälde, das über dem Ehebett meiner Tante Elfriede hing: ein Engel, der in sturmgepeitschter Nacht zwei Kinder über eine Brücke geleitet. Kein Wunder, dass sie nie Nachwuchs hatte. Auch ich hatte Alpträume, wenn ich auf Familienfesten in diesem Bett schlafen musste.

Alpine Bergpanoramen kamen zum Glück irgendwann aus der Mode. Später besuchte ich einen Freund, der alle Altenheime der Region abklapperte, um solche Ölschinken zu ergattern. Eines seiner Zimmer war vom Boden bis zur Decke komplett mit der Flora und Fauna der heimischen Bergwelt bedeckt. In dieser Massivität wirkte so etwas schon wieder beeindruckend. Über die ästhetischen Irrungen und Wirrungen meiner Sippe konnte ich nur lachen. An meinen Wänden fristen ausschließlich alte Filmplakate, die ich mit Tesa befestigte, ihr Gnadenbrot: Star Wars, Godzilla und ähnliche cineastische Leckerbissen.

Später traf ich immer wieder Menschen, die ihre Kunst direkt im Möbelhaus kauften – passend zum Sofabezug. Was dort hing, war ihnen irgendwie egal. Nur geschmackvoll sollte es sein. Was bedeutet: möglichst neutral und langweilig. Man will ja schließlich niemanden aufregen. Kaufhauskunst nennt man das wohl. Im Grunde ist es die Fortsetzung der Wohnzimmertapete mit gehobenen Mitteln. So tragen wir unser eigenes Kunstverständnis tagtäglich auf unseren Wänden zur Schau.

Pech für alle Künstler, die Verstörendes auf die Leinwand bringen. Vor ein paar Jahren malte einer meiner Freunde eine ganze Serie sogenannter »Cum Shots«. Zuerst vermutete ich, es handele sich um Frauen, die unter der Dusche stehen. Dann erkannte ich, dass es sich um eine andere Flüssigkeit als Duschgel handelt. So ein Bild hätte ich gern in meiner Wohnung. Wenn ich eine Party geben würde, wäre für jede Menge Konversation gesorgt. Zudem wäre es schön, alle Menschen zu schockieren, die sich von avantgardistischen Motiven brüskiert fühlen. Kunst sollte schließlich aufrütteln, nicht einschläfern. Eine meiner Verflossenen sagte einst: »Das schlimmste Verbrechen, das man begehen kann, ist mich zu langweilen«. Recht hat sie. Dass sie es sagte, bevor sie ihren Kram packte und mich verließ, ist natürlich eine andere Geschichte.

Zuerst dachte ich, mein Freund würde mit diesen »Cum Shots« den großen Durchbruch schaffen. Doch dem war leider nicht so. Die breite Masse mag lieber Drucke alter Meister, antike Fotos von Bauarbeitern, die in höchsten Höhen auf Stahlträgern frühstücken, Fotos von Sonnenuntergängen, Babys oder noch besser: Katzenbabys. Die Romantiker unter uns hängen sich Bildnisse von Einhörnern, Wasserfällen und schillernden Regenbögen übers Sofa. Weil der Blick von dort aus sowieso meist Richtung Fernseher schweift, ist das nicht weiter tragisch.

Auch ich habe Kaufhauskunst in meiner Wohnung. In meiner Küche, dem Raum also, in dem ich mich am wenigsten aufhalte, hängen zwei Bilder aus dem Hause Ikea. Ich habe mir nie die Mühe gemacht, die – höchst geschmackvollen – Fotos, die sich in den Rahmen befinden, auszutauschen. Und ich liebe die entsetzten Blicke meiner unangepassten Freunde, wenn sie meine Küche betreten.