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Der finale Notausgang

 

ImageDie Fragen, die ein Suizid aufwirft, sind immer unbequem. Die Fragen, die ein Suizid aufwirft, sind fast immer unbequem. Einige Tageszeitungen und Nachrichtenmagazine berichten erst gar nicht über Selbstmorde, um Nachahmungstaten zu vermeiden. Man spricht hier vom »Werther-Effekt«, denn Goethes Roman »Die Leiden des jungen Werther« soll nach der Veröffentlichung bei Jugendlichen zu einer Welle von Selbsttötungen geführt haben.

Besonders im Showgeschäft hat der Freitod fast etwas wie eine traurige Tradition. Sie begann mit der Schauspielerin Peg Entwistle, die sich nach einem Karriereknick im September 1932 spektakulär vom fünfzehn Meter hohen Hollywood-Schriftzug in den Tod stürzte. Was treibt einen Menschen dazu? Selbst wenn ein Abschiedsbrief vorliegt, kann man die Beweggründe einer solchen Tat nur schwer nachvollziehen.

Karsten Weyershausen beleuchtet 28 Biografien – unter anderem von Robin Williams, Dean Reed, Margot Kidder und Marilyn Monroe – sowie die damit verbundenen Selbsttötungen.

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Als die Polizei im April 1996 zu einem Hinterhof in Glendale gerufen wurde, fand sie dort unter den Dielen einer Veranda eine verschmutzte zahnlose Frau mittleren Alters vor, die sinnlos vor sich her stammelte. Ein Anwohner hatte sie entdeckt und um Hilfe gerufen. Erst später stellte sich heraus, dass es sich bei der verwahrlosten Obdachlosen um den Filmstar Margot Kidder handelte, der durch die Rolle der Lois Lane in mehreren »Superman«-Filmen zu Weltruhm kam.

Die gebürtige Kanadierin hatte schon als Kind psychische Probleme. Mit vierzehn versuchte sie, nachdem ihr Freund mit ihr Schluss gemacht hatte, ihr Leben mit Codein-Kapseln zu beenden. Nur als Schauspielerin konnte sie ihre wahren Gefühle zeigen, ohne dass die Leute dies erkannten, verriet sie später. Schon als Teenager stand daher ihre Berufswahl fest.

Karsten Weyershausen: Der finale Notausgang. Suizid im Showgeschäft. 28 bewegende Biografien, Reiffer Verlag, Meine, 130 Seiten, 9,50 Euro.